Anforderungen




Anforderungen an die Gestaltung von deutschen Fußball-Vereinswappen:

Wappen müssen eine bestimmte, regelmäßige Form besitzen. Von dieser Vorschrift können selbstverständlich auch Fahnenmotive nicht ausgenommen werden (was ihrer Darstellung nur zugute kommt, denn in einem Kreis kann die Stange plausibel früher abgebrochen und somit das Fahnentuch größer gezeigt werden). Außerhalb der Form darf kein Stern, kein Banner oder sonst etwas herumschwirren.

Bezüglich der Form soll Kompaktheit gewahrt werden. Diese ist gegeben, wenn in der Entfernung zwischen Außenpunkten und Mittelpunkt keine große Streuung vorliegt. Ein Überschreiten in der Senkrechten oder in der Waagerechten um bis zu 50% ist aber kein Problem (bzw. der Abwechslung halber sogar auch mal erwünscht).

Wappen müssen einen geschlossenen Rand haben!

Am Wappen dürfen keine undefinierten/transparenten Flächen vorkommen. Solche sind sowieso fast nur bei Wappen ohne richtige Form zu beobachten, aber auch bei Schilden mit Auswüchsen, welche einen Innenraum bilden.

Wappen brauchen in der Regel eine Außenlinie, einerseits um optisch besser zusammen­gehalten zu werden, andererseits um vor jedem Hintergrund klar die Grenzen aufzu­zeigen. Die Außenlinie muß eine gewisse Dicke haben und dunkler sein als der nächst­anliegende Bereich. Statt einer Außenlinie kann auch streckenweise eine negative Innenlinie gezogen werden (Beispiel: Das Wappen ist in ein schwarzes und ein weißes Feld geteilt. Der weiße Bereich hat schon automatisch eine Außenlinie, der schwarze Bereich hat aber noch keine. Würde man eine Außenlinie hinzufügen, gäbe es am weißen Bereich zwei Stück. Es könnte stattdessen im schwarzen Bereich eine weiße Innenlinie angelegt werden.). Eine Außenlinie ist verzichtbar, wenn der äußerste Bereich aus nur einem durchgehenden Feld besteht, und er entweder an einigen Stellen nur schmal ist, und/oder das gesamte Wappen einen so groben Aufbau hat, daß eine Außenlinie als zu fein unstimmig wäre.

Falls sich das Wappen aufgrund von Einfachheit nicht ohnehin sofort erschließen läßt, sollte das Auge durch geschickte Gewichtung und Anordnung der Elemente sicher angezogen und dann geführt werden, statt daß sich jene einen Wettbewerb um die Gunst des Betrachters liefern. Wie der Mensch auf einen Wappenentwurf reagiert, läßt sich mit Hilfe von Probanden leicht herausfinden. 

Der Inhalt muß zum Raum passen. Das heißt, in ein Feld kann nur ein solches Element gesetzt werden, das den Platz mehr oder weniger gleichmäßig ausfüllt. Das Anlegen von Schriftringen ist zu unterlassen, wenn nicht genügend Text vorhanden ist, um ihn hinreichend vollzubekommen.

Alles Geschehen im Wappen soll für das Auge frei ersichtlich sein. Detaillierte Dar­stellun­gen, minimale Krümmungen, usw. sind zu unterlassen.

Das Wappen soll weder hell noch dunkel erscheinen, sondern einen Mittelwert versuchen zu erreichen. Helle Farben sind nur Weiß und Gelb. Es ist aber verständlich, daß sich je nach Vereinsfarben durchschnittlich gewisse Unterschiede ergeben. Z.B. kann ein dunkel erscheinendes Wappen bei einem Verein mit den Vereinsfarben Blau-Rot eher akzeptiert werden als bei einem Verein mit den Vereinsfarben Blau-Weiß.

Zwei benachbarte Felder sollen nicht aus der gleichen Farbe bestehen.

Das Wappen soll die Vereinsfarben widerspiegeln. Die Aufnahme anderer Farben ist dennoch möglich, soweit nicht dazu verleitet wird, auf falsche Vereinsfarben zu schließen. Erfolgt eine korrespondierende flächige Darstellung von zwei oder drei Farben nebeneinander, muß es sich dabei um die Vereinsfarben handeln.

Falls eine Farbabfolge wiedergegeben wird, soll sie am besten der Anordnung der Vereinsfarben gemäß Satzung entsprechen. Wie auch bei der Spielkleidung kann dies jedoch keine Pflicht sein, da die ästhetische Wirkung höher anzusiedeln ist. Sofern der Verein drei Vereinsfarben hat, darf allerdings keine falsche Reihenfolge suggeriert werden.

Besitzt der Verein drei Vereinsfarben, dürfen keinesfalls zwei davon in einen engeren Zusammenhang miteinander gestellt werden.

Bei kleinräumigen Farbwechseln gelten die heraldischen Kontrastregeln. Z.B. müßte rote Schrift auf schwarzem Grund weiß (oder auch gelb) umrandet werden. Flächig können etwa Schwarz und Rot aber sehr wohl ohne Trennung nebeneinander liegen.

Bei Farben ist zu versuchen, den typischsten Ton zu treffen. Z.B. kann die Vereinsfarbe „Blau“ im Wappen nicht als Dunkelblau oder Hellblau umgesetzt werden. Vereinsweise eigene Farbcodes festzulegen, ist im allgemeinen Umgang nicht praktikabel.   

Jede Farbe wird im zugeteilten Bereich gleichmäßig voll aufgetragen. Farbverläufe darf es niemals geben.

Die Schreibung des Vereinsnamens (egal wie reduziert) sollte entweder a) im Zusammen­spiel mit dem Untergrund in Vereinsfarben erfolgen, oder b) in anderer Farbe auf allen zwei bzw. drei flächig untergelegten Vereinsfarben. Sonstige Lösungen würden in der Regel nicht stimmig wirken.

Alle im Wappen vorkommenden Farben sollen nennenswerte Anteile erhalten. Für winzige Kleckse steht der Einsatz einer zusätzlichen Farbe nicht im Verhältnis. 

Räumliche Darstellungen sind zu vermeiden. Davon gibt es einige Ausnahmen:
1. Ineinander verschlungene Schriftzeichen. 2. Wehende Fahnentücher und zugehörige Leinen. 3. Bälle. 4. Innerhalb des Wappens befindliche umgeknickte Banner.

Vereinswappen müssen Schrift enthalten! Mindestens ein Buchstabe (bzw. ein Zahlen­paar) ist unbedingt erforderlich. Dabei reicht es nicht aus, wenn es sich bei einem Einzelbuchstaben um den Anfangsbuchstaben des Ortsnamens handelt. Ebenso genügt es nicht, was öfters vorkommt, daß lediglich eine Jahreszahl aufgeführt wird, die für den Vereinsnamen gar nicht die größte Rolle spielt.

Über den Vereinsnamen hinaus hat Text im Wappen nichts zu suchen. Nur Jahreszahlen, davor gestellte Präpositionen (von, seit, gegr.) und das „e.V.“ sind natürlich unschädlich. Das Turner-„FFFF“ gilt nicht als Text.

Im Wappen sollte nicht einfach waagerecht und schmucklos der ganze Vereinsname geschrieben stehen. Für die Übermittlung dieser Botschaft gibt es schließlich die reine Textform, dafür braucht man kein Wappen.

Vereinsnamen dürfen nicht in einer Art auseinandergerissen werden, daß dann einzelne Bestandteile auf unlogische Weise in einem engeren Zusammenhang stehen. Ebenso ist es zu vermeiden, daß ein Namensteil in einem engen Zusammenhang mit einem Bildelement erscheint.

Unwichtigere Namensteile dürfen nicht größer geschrieben sein als wichtigere. 

Buchstaben sollten nicht so angeordnet werden, daß der Vereinsname leicht falsch herausgelesen werden kann. Häufig kommt z.B. vor, daß bei einem dreibuchstabigen Kürzel ein eigentlich an den Anfang gehörendes „T“ aus graphischen Gründen in die Mitte genommen wird.

Es sollen nur die üblichen Methoden der Kürzelgewinnung durchgeführt werden, keine exklusiven, die die Fußballkultur ins Beliebige ausfleddern lassen.

Schriftzeichen sollten möglichst speziell für das Wappen gestaltet werden. Zumindest ist es zu vermeiden, schmucklose Schriftzeichen aus allbekannten Standard-Schriftarten zu gebrauchen. Für Schriftringe gilt diese Vorschrift nicht.

Um zu beiden Seiten gleichmäßige Abstände zu gewährleisten, sind in Schriftringen nur Großbuchstaben zu verwenden. Bei den Buchstaben Ä, Ö und Ü müssen die Punkte in geeigneter Art runtergezogen werden, ß ist unschädlich.

Schriftzeichen dürfen allenfalls so weit gekippt werden, bis sie auf der Seite liegen, nicht darüber hinaus.

Elemente aus einer anderen Umgebung dürfen nicht ohne Anpassung ins Wappen eingepflanzt werden, damit sie keine vom Gesamtkontext losgelösten, für sich abge­schlossenen Teilbereiche bilden. Stadtwappen oder Anleihen davon sind entsprechend zu bearbeiten. Ob wiederkehrende Schriftzüge - wie diejenigen der Organisationen DJK oder Empor - darunter fallen, ist streitbar.

Grundsätzlich sollten keine Wappenbilder von Stadtwappen als große Wappenbilder in Vereinswappen übernommen werden. Erstens würden dadurch verschiedene Themen miteinander vermischt, zweitens vergäbe man unnütz die Gelegenheit, einen neuen kulturellen Aspekt zu schaffen. Trotzdem kann ein Übertragen angebracht sein, sofern es sich um ein respektables Wappenbild handelt, wie z.B. Adler oder Löwe. Dann sollte die Darstellung jedoch zumindest verfremdet werden. Klein und untergeordnet kann man Anleihen aus Stadtwappen immer in Vereinswappen aufnehmen, aber ebenfalls möglichst abgewandelt/vereinfacht.

Fußbälle sollen nur im historischen Stil dargestellt sein. Die Epoche der Bälle mit weißen und schwarzen Feldern gilt in diesem Sinne als modern, nicht als historisch.

Abgebildete Fahnen müssen nach rechts wehen, Adler nach links schauen, Löwen und sonstige Tiere nach links gedreht sein. Diese Angaben sind hier aus Sicht des Betrachters gemeint.

Grundsätzlich sollen Wappen auf das Nötigste reduziert sein. Es ist die Aufgabe des Wappengestalters, genau das Maß anzusteuern, bis zu dem der Pfiff nicht verlorengeht.

Für Spitzen- und Amateurklubs gibt es keine unterschiedlichen Bedingungen. Folglich ist es u.a. auch für Amateurklubs nicht notwendig, den Verein über die komplette Aufführung des Vereinsnamens im Wappen identfizierbar zu machen. Geographische Erläuterungen zum Ort erscheinen umso überflüssiger.

In Wappen sollten keine Anspielungen enthalten sein, die nur von Eingeweihten oder Experten zu verstehen sind, sonst aber Fragen aufwerfen, wie z.B. Reminiszenzen an die eigene Vereinsgeschichte (Symboliken von Vorgängervereinen). Dazu gehört auch die unveränderte Ausrichtung an die vergangenen äußeren Umstände in der DDR.  

Wappen sollen zeitlos aussehen. Dies bedeutet einerseits, veraltet wirkende Graphiken behutsam zu modernisieren. Andererseits darf es auch kein Ziel sein, ein futuristisch anmutendes Wappen zu kreieren.






Ein Wort an neue Vereine und an Vereine mit Wunsch nach einem neuen Wappen: Nicht immer reflexartig zum Kreis oder zu einer einfachen Schildform greifen! Es sind auch andere runde Formen sowie eigentümlichere Schilde möglich. Vor allem sollte mal an eckige Formen gedacht werden. Man kann im Grunde alles in die drei Gruppen schild­förmig, rund und eckig einteilen (die wenigen gemischten und doppelt zutreffenden Formen stehen meistens einer Gruppe näher als der anderen). Warum sollte das Verhältnis nicht bei 1:1:1 oder zumindest bei 2:2:1 liegen?





Ein Wort an die Medien und andere Multiplikatoren, die mehrere Wappen gemeinsam darstellen: Alle sollen sie gleichermaßen präsent erscheinen. Das gelingt aber nicht, wenn wie so oft eine quadratische Fläche als Raum vorgesehen ist, in welchem dann die kreisförmigen Wappen so groß wie möglich gezogen werden. Eine hohe Rautenform kann im Vergleich dazu nur noch halb soviel Masse abbilden, wie anhand der Bundesligaklubs oft zu sehen. Selbst kreisförmige Wappen können je nach Gestaltung bei gleicher Größe unterschiedlich präsent wirken. Es gibt keine andere Lösung, als sämtliche beteiligten Wappen nach Augenmaß ausgewogen miteinander ins Größenverhältnis zu setzen.