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Fußball-Vereinswappen stehen zur Zeit über alle Maße in der Öffentlichkeit. Dabei bilden sie in Wahrheit das unwichtigste der drei Vereinskennzeichen, haben im Gegensatz zu Vereinsname und Vereinsfarben normalerweise nichtmal Satzungsrang. Verknüpft man diese beiden Beobachtungen miteinander, würde es sich wegen der Überbewertung lohnen, die Wappen zu optimieren, was auch recht komplikationslos umsetzbar wäre. Zur Ankurbelung und Begleitung eines solchen Prozesses müßte allerdings erstmal mit kritischer Wappenkunde begonnen werden. Geradezu unglaublich, daß es bisher offenbar noch keine Ansätze dazu gab. Möge diese kleine Seite „Wappenbesprechung“ ein Startschuß sein!





Deutsche Fußball-Vereinswappen besitzen im Durchschnitt einen international wiedererkennbaren, eigenen Charakter. Hervorstechendstes Merkmal ist die große Einfachheit, Klarheit, Prägnanz, Schnörkellosigkeit, verbunden mit geschlossenen Rändern, Neigung zu Monogrammen und häufigem Vorkommen der Kreisform. Wir müssen uns dieses Kulturguts bewußt sein, um es pflegen zu können!





Wappen werden nicht nur intern gebraucht. Sie erscheinen auch im Außenverkehr, sowohl gegenüber dem aktuellen Spielgegner als auch im allgemeinen Fußball­geschehen. Viele eigentlich unbeteiligte Menschen werden mit ihnen konfrontiert. Deshalb hat Jedermann das Recht, jedes einzelne Wappen zu kritisieren!

„Meistersterne“ haben über Vereinswappen nichts zu suchen! Graphisch besteht zwischen beidem kein Zusammenhang. Auch die permanente inhaltliche Bedeutung ist beileibe nicht groß genug, als daß zwei verschiedene Thematiken über je ein Sinnbild mit­einander verkuppelt werden müßten.

Im Gegensatz zu Vereinsname und Vereinsfarben sollten Wappen nicht durch die Statuten geschützt werden. Kleinere Modernisierungen und Optimierungen durch einen Experten müssen ohne große Hürden vorgenommen werden können. Die Vereinsführung soll berechtigt und imstande sein, wohlüberlegt auch ganz neue Entwürfe als Wappen einzuführen. Ohne solche mutigen Vorstöße kann sich Kultur nicht entwickeln. Mitgliederversammlungen taugen erfahrungsgemäß nicht als moralische Instanz. Bei Unzufriedenheit mit einem Wappen kann immer noch eine Initiative versuchen, Einfluß beim Verein zu gewinnen.





Ein Wort an die klassischen Wappenkundler/Heraldiker: Eure Hoheits-, Dynastie- und Familienwappen auf der einen Seite und unsere Fußball-Vereinswappen auf der anderen Seite stellen zwei verschiedene Fachgebiete dar. Das sieht man schon daran, daß bei Euch Schrift und bei uns Schriftlosigkeit verpönt ist. Wir erkennen Eure Heraldik als die ursprüngliche und grundlegende an. Trotzdem nennen auch wir unsere Wappen seit Generationen Wappen! Ihr müßt Euch damit abfinden, daß ein Begriff unterschiedliche Bedeutungen haben kann. Wenn Ihr unsere Wappen in öffentlichen Äußerungen regelmäßig pauschal als „Logos“ abqualifiziert, oder nur solche mit Schildform als Wappen durchgehen laßt, dann fahrt Ihr uns damit an den Karren. Denn wir kämpfen selbst gegen tatsächlich logo-artige Wappen in den eigenen Reihen. Unser Anliegen ist ein gepflegter Kulturaspekt - und das müßte doch irgendwo auch in Eurem Interesse sein.

Ein Wort an die Logo-Design-Freunde: Eure Unternehmens-, Touristik- und PR-Logos auf der einen Seite und unsere Fußball-Vereinswappen auf der anderen Seite stellen zwei verschiedene Fachgebiete dar. Ihr liebt Formlosigkeit, während wir geschlossene Formen lieben, um mal den auffälligsten Unterschied zu nennen. Für uns wäre es fatal, sollten sich unsere Schützlinge weiter in Eure Richtung bewegen. Vielleicht gibt es ja auch von Eurer Warte aus Gründe, eine Annäherung oder Vermischung abzulehnen. Jedenfalls könnt Ihr das Bestehen zweier Kulturzweige und damit die Vielfalt fördern, indem Ihr unsere Wappen immer als „Wappen“ bezeichnet, auch die mehr logo-artigen. Das unterstützt uns bei der Arbeit, die Ausreißer zurückzurufen.